REIM über Matthias

 Meine Vorbilder waren damals weder Goethe noch Caesar, sondern eher Ozzy Osbourne und Jimmy Page.

reim-kindIch bin vor ewiger Zeit in Korbach/Hessen geboren. Ich habe noch drei Brüder, die alle was Vernünftiges geworden sind – sehr zur Freude meines Vaters, der es als wohlbestallter Oberstudiendirektor am liebsten gesehen hätte, wenn auch aus mir ein Gymnasiallehrer geworden wäre. Aber damit tat ich mich schwer. Obwohl: Ich besuchte das Gymnasium und irgendwie schaffte ich sogar das Abitur – aber meine größten schulischen Erfolge hatte ich wohl mit meiner Band, der „Rhyme River Union“ (man beachte den intellektuell anspruchsvollen Gruppennamen, der aus „Reim“ „Rhyme“ machte…). Meine Vorbilder waren damals weder Goethe noch Caesar, sondern eher Ozzy Osbourne und Jimmy Page.

rhyme-bandIch weiß nicht mehr genau, wann ich meine erste gute Mathematikarbeit geschrieben habe – aber ich weiß noch genau, wann ich meine erste Gitarre bekam. Es war eine Hagstrøm II – und ich bekam sie zu meiner Konfirmation… Nach dem Abitur tat ich meinem Vater einen Riesengefallen: Ich studierte in Göttingen Germanistik und Anglistik. Und ganz ehrlich gesagt: Ich freundete mich eine Zeitlang sogar mit dem Gedanken an, Lehrer zu werden und fand die Lektüre von Goethes Faust interessant. Allerdings: Nach ein paar Semestern hatte ich meine ganz persönliche Begegnung mit meinem ganz persönlichen Mephisto. Und das kam so: Während der Studienzeit spielte ich so ganz nebenher abends in Diskotheken ein wenig Gitarre und sang dazu, um meinen Monatswechsel aufzubessern – und auch, weil ich mich einfach gerne in Diskotheken herumtrieb. Da traf ich dann eines Abends einen jungen Mann, der mir nach drei Bieren und zwei Cognac anbot, ein kleines Tonstudio zu kaufen, damit ich richtig komponieren könnte. Drei weitere Biere und vier weitere Cognacs später gründeten wir eine Gesellschaft, die irgendwie Musik verkaufen sollte. Am nächsten Morgen kam mein neuer Geschäftspartner in meine Studentenbude, um Einzelheiten zu besprechen. Ich hatte zwar nur noch eine blasse Erinnerung daran, was wir eigentlich vorhatten – aber das Ganze reizte mich.

So kam ich vom geraden Weg der bürgerlichen Tugend ab.

 Wir gründeten also eine Firma. Ich sollte meinen Kopf von allen niedrigen Geld-Dingen freihalten und mich voll auf meine Musik konzentrieren – und die Firma sollte alles andere für mich erledigen: Meine Geschäfte tätigen, meine Kompositionen verwerten und vor allem das viele Geld verwalten, das ich doch ab jetzt hoffentlich bald verdienen würde… So kam ich vom geraden Weg der bürgerlichen Tugend ab – denn von jetzt an war das Studium für mich nur noch Nebensache: Die Bücher auf meinem Bücherregal wurden auf den Fußboden verbannt, damit ich Platz für Tonbandgeräte, Verstärker und all das hatte – und ich verbrachte Stunden, Tage und Nächte in einem kleinen Studio und komponierte Songs. Und siehe da: Ich hatte sogar bald schon erste Erfolge als Komponist – immer öfter fand sich ein Sänger, dem eins meiner Lieder gefiel und der es auf Platte aufnahm. Roy Black zum Beispiel oder auch Jürgen Drews. Unnötig zu sagen, dass ich irgendwann mein Universitätsstudium, das ich ohnehin mehr und mehr vernachlässigt hatte, nun auch „offiziell“ beendete.

Eines Tages hatte ich einen Song geschrieben, den ich für besonders gelungen hielt. Er hieß: „Verdammt, ich lieb‘ Dich“. Aber – niemand wollte ihn haben. Allein diese Wortkombination von „Verdammt“ mit „Ich lieb Dich“ erschien doch völlig abwegig. „Mein Schatz, ich lieb‘ dich“ wäre OK gewesen oder „Liebling, ich lieb‘ Dich“… aber „Verdammt“? Es blieb mir nichts anderes übrig, als den Song selber zu singen. Ich hatte den Song auch Bernhard Brink angeboten – der fand ihn toll, sagte aber: „Das ist nix für mich!“ – und spielte ihn einen TV-Redakteur vor. Von da an ging alles atemberaubend schnell: Der Redakteur lud mich zuerst in Wim Thölkes TV-Show, danach in die ZDF-Hitparade ein, eine Schallplattenfirma war so leichtsinnig, den unbekannten Sänger mit dem seltsamen Song unter Vertrag zu nehmen – und machte damit Umsätze in zig Millionen Höhe: Die Single verkaufte sich über eine Million mal – und das Album dazu sogar rund zweieinhalb Millionen Mal.

Auf einmal war ich nicht mehr der arme Student, sondern vielfacher Millionär.

reim-magoIch war von heute auf morgen ein Superstar geworden – von allen umschwärmt. Von Fans, den Schallplattenfirmen, den Konzertveranstaltern – und von vielen Freunden, die plötzlich von überall her auftauchten. Aber: Werden Sie mal von heute auf morgen ein Superstar – dann geht es Ihnen wahrscheinlich genau so wie es mir gegangen ist: Ich drehte ziemlich durch. Auf einmal war ich nicht mehr der arme Student, sondern vielfacher Millionär. Und dachte natürlich, das ginge jetzt ein Leben lang so weiter… Zu meiner Ehrenrettung muss ich aber sagen: So größenwahnsinnig, wie es manche Journalisten gerne gesehen hätten, war ich nicht. Aber immerhin: Ich kaufte mir ein Hausboot in Florida (davon hatte ich schon immer geträumt!), richtete mir ein großes Musikstudio ein und genoss mein neues Leben. Das war sicher angenehmer als das Leben eines Studienrats… Auch in meinem Privatleben ging es drunter und drüber: Ich ließ ich mich scheiden (was allerdings auch schon vor meinem Erfolg in der Luft lag!) und heiratete wieder. Zu schnell? Zu unüberlegt?

Ich machte Tourneen, schrieb Autogramme, machte eine TV-Sendung nach der anderen und spielte mit großen Musikern zusammen. Auch mein nächstes Album verkaufte sich noch sensationell gut. Und ich? Ich lag in Floridas Sonne und genoss den Erfolg. Dann kam das dritte Album: Es verkaufte sich nicht mehr ganz so sensationell – aber immer noch gut genug. Und ich legte mich wieder in die Sonne und genoss weiter den Erfolg. Ich lag so lange in der Sonne und genoss den Erfolg, dass ich nicht merkte, dass dieser Erfolg immer mehr nachließ. Sicher: Mein Name hatte immer noch einen guten Klang, ich war willkommener Gast in jeder großen TV-Show und meine Fans blieben mir treu. Aber das war gerade das Gefährliche. Ich spürte nicht, dass meine Kreativität langsam einschlief – und ich dass langsam aber sicher den Kontakt zu meinem Publikum verlor. Ich machte weiter recht gute Musik, aber leider eine Musik, die das Publikum offenbar nicht von mir hören wollte. Nur die Buchhalter meiner Schallplattenfirma schlugen Alarm, denn sie hatten meine Verkaufszahlen vor Augen.

Es hat lange gedauert, bis ich aus meinem Dornröschen-Schlaf erwachte – aber dann geschah es doch, glücklicherweise. An einem schönen Sommertag ziemlich genau zehn Jahre nach meinem ersten Supererfolg, wurde ich morgens wach und wusste, dass ich mein Leben ändern wollte. Ich zog in eine andere Stadt, umgab mich mit einem neuen Kreis von Mitarbeitern – und der liebe Gott oder das Schicksal oder wer auch immer gab mir meine alte Kreativität zurück. Übrigens: Das mit „In-eine-andere-Stadt-Ziehen“ hatte noch einen anderen Grund. Auf einer Tournee hatte ich Michelle kennen gelernt. Wir verliebten uns ineinander, zogen zusammen und waren glücklich.

 Ein Gerichtsvollzieher tauchte auf und wollte eine Taschenpfändung machen.

Auch beruflich ging es auf einmal wieder steil bergauf: Mein neues Album „WOLKENREITER“ kam auf den Markt. Es war ein sehr gutes Album. Das sagten glücklicherweise nicht nur meine Schallplattenfirma und ich selber, sondern auch die Plattenkäufer. Irgendwie galt ich auf einmal als die „Wiederentdeckung des Jahres“. Und das tat mir richtig gut. Übrigens: Zwei Tage vor der Veröffentlichung des Albums wurde ich Vater einer Tochter. Michelle und ich waren glücklicher denn je, träumten von einer Hochzeit. Um es gleich vorweg zu nehmen: Es blieb ein Traum – denn ein halbes Jahr später trennten wir uns. Übrigens in aller Freundschaft, auch wenn einige Zeitungen es besser wissen wollten. Bei der Vorstellung des Albums passierte eine kleine Geschichte am Rande, die ich aber noch nicht so ganz ernst nahm: Ein Gerichtsvollzieher tauchte auf und wollte eine Taschenpfändung machen. Irgendeine Firma, die ich noch nicht einmal dem Namen nach kannte, wollte Geld von mir.

Mein damaliger Manager versprach, die Sache in Ordnung zu bringen – das sei sowieso nur ein Irrtum. Ich glaubte ihm und vergaß die Sache bald wieder. Aber in den folgenden Monaten kam der Gerichtsvollzieher immer wieder – und präsentierte mir immer neue Forderungen von immer neuen Firmen. Jetzt wollte ich der Sache auf den Grund gehen. Ich bat meinen Manager um eine Klarstellung – und diese Klarstellung war ein Schock für mich: Nicht nur mein ganzes Geld war weg, das ich in den letzten zehn Jahren sauer und durch viele Auftritte und Schallplatten verdient hatte – ich hatte auf einmal Millionen von Schulden. Viele Millionen. Genauer gesagt: Rund 14 Millionen Euro!

Nicht, dass ich ein zu aufwendiges Leben geführt, wilde Feste gefeiert oder einem Handwerker sein Geld nicht gegeben hätte. Nein: Ich hatte vor Jahren in blindem Vertrauen dummerweise meinem Manager eine Generalvollmacht unterschrieben, ohne richtig darüber nachzudenken, was ich da tat. Jetzt werden Sie sagen: Wie kann ein Mensch nur so blöde sein. Naja – ich war wirklich blöde. Um es kurz zu machen: Mein Manager hatte mit Hilfe dieser Vollmacht halb Ostdeutschland aufgekauft und sich darauf verlassen, dass sich das alles selber finanziert. Ich war plötzlich im Besitz einer Unmenge an Immobilien – Wohnungen, die ich nie gesehen habe – an Orten, von denen ich noch nie etwas gehört hatte. Leider aber waren sie alle noch nicht bezahlt und die Banken wollen irgend so etwas wie 14 Millionen Euro von mir. Und leider klappte das mit dem Selbstfinanzieren auch nicht so…

Es folgten ein paar verdammt harte Jahre – ich arbeitete wie ein Verrückter, um wenigstens einen Teil der Schulden abzuzahlen. Verdammt hart, wenn man das Gefühl hat, moralisch nicht verantwortlich zu sein, sondern nur für seine Dummheit und Gutgläubigkeit bezahlen muss. Und noch härter, wenn man weiß: Ich kann so viel arbeiten wie ich will – ich komme nie ganz von diesen Schulden runter. Und so habe ich eines Tages schweren Herzens Insolvenz angemeldet.

…niemand sollte sagen, dass ich vor den Schulden, den Steuern oder den Gerichtsvollziehern fliehen wollte.

Mein neuer „Chef“ war jetzt der Insolvenzverwalter, der jeden sauer verdienten Cent für die Gläubiger einkassierte und mir nur das Notwendigste zum Überleben ließ. Aber – wie sagt man so schön? – „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“. Kurz darauf ging ich nach Ibiza. Ich wollte einfach weg von den Erinnerungen, dem Rummel, den Journalisten, den neugierigen Blicken. Mein Bruder, der als Banker in London lebte, stellte mir sein Ferienhaus auf Ibiza zur Verfügung und richtete mir ein kleines Tonstudio ein. Meinen offiziellen Wohnsitz allerdings behielt ich in Deutschland – niemand sollte sagen, dass ich vor den Schulden, den Steuern oder den Gerichtsvollziehern fliehen wollte.

reim-bootIch heiratete meine Freundin Sarah, inzwischen sind wir nach Mallorca umgezogen, haben zwei Kinder – und endlich, nach so vielen Wanderjahren, habe ich das Gefühl, ein Zuhause gefunden zu haben. Vier Jahren lang war ich finanziell entmündigt – dann endlich konnte mein Insolvenzverwalter mit den Gläubigerbanken einen Vergleich abschließen. Mein Bruder, der Banker, hatte sich bereit erklärt, viele Hunderttausende auf den Tisch zulegen und hat mich dadurch gewissermaßen „freigekauft“. Am 26. Juni 2010 bekam ich vom Konkursgericht die Bestätigung, dass ich wieder schuldenfrei sei. Ich glaube, diesen Tag werde ich ab jetzt jedes Jahr feiern – als meinen zweiten Geburtstag. Denn seit dem 26. Juni bin ich wieder ein freier Mann und fühle mich im wahrsten Sinne des Wortes wie neu geboren. Es wurde auch höchste Zeit, denn langsam ging mir meine Situation auf die Nerven – und auf meine Gesundheit. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchgehalten hätte, ohne in Depressionen zu verfallen. Jetzt sah ich wieder Licht am Ende des Tunnels.

OK – ich habe immer noch eine runde Million an meinen Bruder abzuzahlen. Aber das werde ich jetzt schaffen. Ich rief mein Team zusammen und sagte: “Jungens – es geht los – jetzt will ich’s noch mal wissen!“ Wir gingen ins Studio und arbeiteten an einem neuen Album. Ich komponierte wie ein Verrückter – und auf einmal gelang mir wieder alles – ich weiß heute, dass es sicher eins der besten Alben geworden ist, das ich je gemacht habe.

Ich bin wieder auferstanden.

„Eine Katze hat sieben Leben, so sagt man. Ich offenbar auch. Ich bin wieder auferstanden.“ Mein neues Album heißt: „Sieben Leben“. Es wurde ein Riesenerfolg. Mein nächstes Album „Unendlich“ kam rund ein Jahr später auf dem Markt, kam in der ersten Woche nach Erscheinen auf Platz 1 der Charts und blieb dann ein paar Wochen in den Top10. Das war mein größter Plattenerfolg seit den „alten Zeiten“ von „Verdammt ich lieb dich“

Direkt anschließend ging es auf eine große Konzerttournee durch ganz Deutschland und mein Erfolg wurde größer. Das Konzertprogramm wurde für das Fernsehen aufgezeichnet, mein Abschlusskonzert in der O2-World in Berlin ein umjubelter Erfolg.

Die nächsten Jahre gingen wie im Rausch an mir vorbei – mein nächstes Album wurde mit Platin ausgezeichnet, mein Konzert- Publikum jubelte mir zu, ich fuhr und flog von einem Termin zum anderen: Konzerte, Gala-Auftritte, Interviews, Autogrammstunden, dann die Nächte im Studio, in denen ich komponierte, textete, produzierte…

Meine Konzerte liefen prächtig, das Publikum jubelte mir zu, Mädchen kreischten, die Männer klatschten eifrig mit – ich hatte alles erreicht, wovon ich lange geträumt hatte. Trotzdem: Irgendwann war ich unzufrieden. Ich merkte, dass das alles zur Routine für mich wurde. Und vor allem: Dass ich eigentlich auch keine Konzerte gab, sondern mit meinem Publikum große Partys feierte. Das war zwar lustig – die Mädchen kreischten, die Männer sangen mit, am Schluss tobten alle und wollten mich nicht mehr von der Bühne lassen. Aber – irgendwie genügt mir das nicht mehr.

Ich setzte mich mit meinem Team zusammen und wir entwickelte einen neues Konzertprogramm. Mit neuen Songs, einem Unplugged-Teil, mit neuen Arrangements, mit staging für die Musiker – und siehe da: Der Erfolg wurde noch größer. Plötzlich schrieben die Kritiker echte Musik-Kritiken – statt Berichten in der Art wie „Der sympathische Sänger versteht es immer wieder, sein Publikum zu begeistern…“

Jetzt war ich endlich künstlerisch da angekommen, wo ich hinwollte. Und das Jahr 2015 sollte mein großes Jahr als Konzertsänger werden. Es sollte den endgültigen Durchbruch für mich in der Welt der „großen“ Konzerte werden. Höhepunkt der Sommer-Tournee sollte ein großes Open Air-Konzert auf der Berliner Wuhlheide werden – vor rund elftausend Zuschauern. Der MDR wollte das ganze Konzert mitschneiden und zeitversetzt im Abendprogramm senden, der ARD wollte live aus der Sendung „Goldene Henne“ ins Konzert schalten, um von dort einen Song übertragen – kurz: es sollte der Höhepunkt meiner bisherigen Konzertkarriere werden. Ich freute mich tierisch auf dieses Konzert. Das war in meinen Träumen so etwas wie ein Ritterschlag für mich. Ich weiß nicht, ob Sie mich verstehen… Frank Sinatra hat mal gesungen: Wenn Du’s in New York schaffst, dann schaffst Du’s überall!“ – und ich sagte mir: „Wenn ich die Wuhlheide schaffe, dann schaffe ich alles!“

Es kam anders. Leider. Vor einem Konzert in Chemnitz fühlte ich mich müde, ausgelaugt, total fertig. Sicher eine verschleppte Grippe oder sowas, sagte ich mir. Oder einfach Überarbeitung . Ich hätte das Konzert am liebsten abgesagt – aber da waren ein paar tausend Menschen, die sich vielleicht schon seit Wochen auf mich gefreut haben… und dann so leichtfertig abzusagen, das war nicht mein Ding.

Ein paar Tage später, mein Zustand wurde nicht besser, schleppte ich mich ins Krankenhaus in der Hoffnung, die Ärzte würden mich schnell wieder fit machen. Aber als die Ärzte ihre Untersuchungen beendet hatten, machten sie ziemlich ernste Gesichter. „Wann werde ich wieder singen können?“ fragte ich und die Ärzte antworteten: “Naja, wir können Ihnen nicht versprechen, ob Sie überhaupt wieder werden singen können. Mit dem Herz soll man nicht spaßen. Aber in jedem Fall wird es lange dauern –rechnen Sie mal mit ’nem Jahr oder so.“

Für mich brach eine Welt zusammen. „Das war’s dann wohl,“ dachte ich. Aber als ich mich ein paar Tage später wieder einigermaßen gefangen hatte, erwachte mein Kampfgeist. So einfach wollte ich nicht aufgeben.

Eine kleine Geschichte am Rande hat mir damals seelisch sehr geholfen. Mein Manager rief mich an und erzählte mir, dass von den rund 10.000 Besuchern, die am Tag der Konzertabsage schon im Vorverkauf Karten für meine Konzert auf der Wuhlheide gekauft hatten, über zwei Drittel darauf verzichtet hat, ihr Eintrittsgeld zurück zu bekommen. Sie haben ihre Karten behalten und freuen sich auf das Nachholkonzert ein Jahr später.

Da wußte ich: Mein Publikum wartet auf mich. Ich muss gesund werden.

Ich stürzte mich mit Eifer in die Rehabilitationsübungen, nahm einen Coach, quälte mich jeden Tag stundenlang, änderte meine Essgewohnheiten, stellte das Rauchen weitestgehend ein – und hatte immer das Ziel vor Augen: Im nächsten Jahr will ich wieder auf der Bühne stehen! Ich will meine Wuhlheide haben.

Am 20. Februar feierte ich bei meinem Freund Florian Silbereisen in der TV-Sendung „Das Glückwunschfest“ mein Comeback. Am gleichen Tag begann der Vorverkauf für meine große Deutschland-Tournee mit neuem Programm und im April kam mein neues Album auf den Markt.

Ich gab ihm übrigens den Titel „Phoenix“ – nach dem legendären Drachenvogel, der stirbt, aber dann neugeboren wird…

„Phoenix“ war ein ziemlicher Erfolg. Alle waren zufrieden damit: Die Schallplattenfirma, meine Fans, die Käufer – nur ich selber nicht. Ich spürte auf einmal: Ich fange an, mich zu wiederholen – ich hetze von Interviews zu Interview, von Auftritt zu Auftritt und das alles fängt an, bei mir zur Routine zu werden. Und Routine ist für einen Künstler tödlich.

Ich beschloss, mich für ein sehr langes „Sabbath-Jahr“ zurückzuziehen: Ganz wenig Konzerte (für die ich schon Verträge gemacht hatte), absolut keine Interviews und keine TV-Auftritte.

Über zwei Jahre lang genoss ich das Leben mit meiner Famile in meiner geliebten Wahlheimat am Bodensee. Ich dachte über mich und mein Leben nach – und vor allem: Ich arbeitete mit einem neuen Team von kreativen Musikern an Titeln für mein kommendes Album und mit meiner Band an Konzeptionen und Arrangements für meine kommende Konzert-Tournee. Meine Musik sollte moderner werden, transparentere Arrangements haben, meine Stimme und die Texte mehr zur Geltung bringen.

Im November wurde ich 60 Jahre alt. Es war eine unvergessliche Geburtstags -“Feier“: Ich stand zusammen mit meiner Band auf einer kleinen Bühne in Berlin und gab für ein paar Fans und vielen Medienpartnern ein Privat-Konzert. Dieser erste Live-Auftritt war für mich wichtig. Denn ich spürte: Die Routine ist weg – ich habe wieder neue Energie! Es war meine Ansage an alle Freunde: „Jetzt – mit 60 – geht’s wieder richtig los!“

Das Jahr 2018 ist jetzt das große Jahr der Rückkehr auf die große Bühne. Ab Januar toure ich als „special guest“ mit den „Rocklegenden“ kreuz und quer durch die großen Hallen in ganz Deutschland – ab Mai bin ich auch wieder in TV-Shows zu sehen, gebe pausenlos überall Interviews und bereite mich auf meine große eigene Konzert-Tournee vor.

Die lange Pause hat mir gut getan: Ich freue mich, wieder voll dabei zu sein.

Unterschrift-MR-weiss-klein

01. Himmel voller Geigen // METEOR
  1. 01. Himmel voller Geigen // METEOR
  2. 02. Letzte Chance // METEOR
  3. 03. Ich geb uns nicht auf // METEOR
  4. 04. Erzähl mir nichts von Liebe // METEOR
  5. 05. Meteor // METEOR
  6. 06. Niemals zu müde // METEOR
  7. 07. Es war der Song // METEOR
  8. 08. Verdammt nochmal gelebt // METEOR
  9. 09. Wieder am Start // METEOR
  10. 10. 1000 Gründe // METEOR
  11. 11. Chaot // METEOR
  12. 12. Es ist Wahnsinn // METEOR